Gesundheit und medizinische Versorgung: So geht es Österreich wirklich
Die gesundheitliche Lage der Bevölkerung in Österreich wird zunehmend kritischer wahrgenommen. Trotz weiterhin grundsätzlich positiver Einschätzungen zeigen sich seit 2021 deutliche Veränderungen im Gesundheitsempfinden sowie in der Bewertung des Gesundheitssystems.
Im Rahmen einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung unter 1.000 Personen wurden die Österreicher:innen zum Thema Gesundheit befragt und um eine Bewertung der Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich gebeten.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus unserer Studie
- Die allgemeine gesundheitliche Lage der Bevölkerung in Österreich wird seit 2021 insgesamt kritischer wahrgenommen, obwohl die eigene Gesundheit weiterhin überwiegend als gut eingeschätzt wird.
- Chronische Erkrankungen haben im Vergleich zu 2021 zugenommen, wobei insbesondere Personen mit niedrigerem Einkommen häufiger betroffen sind.
- Die Beurteilung der medizinischen Versorgung hat sich spürbar verschlechtert. Bewertungen im mittleren Bereich nehmen zu, während „hervorragende“ Einschätzungen deutlich zurückgehen.
- Innerhalb der Bevölkerung wächst zunehmend die Ansicht, dass das österreichische Gesundheitssystem wesentliche bzw. sogar grundlegende Veränderungen benötigt.
- Der Bedarf an gesundheitlichen Untersuchungen und Behandlungen steigt generell an, vor allem bei Frauen, chronisch kranken Personen sowie älteren Bevölkerungsgruppen.
(Linz, 21.5.2026) Die gesundheitliche Lage der österreichischen Bevölkerung zeigt ein differenziertes, aber zunehmend kritisches Bild. Zwar wird der eigene Gesundheitszustand weiterhin überwiegend positiv eingeschätzt, gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass es der Bevölkerung insgesamt gesundheitlich schlechter geht als noch wenige Jahre zuvor. Besonders im Vergleich zu 2021 zeigen sich Veränderungen, die sowohl die subjektive Gesundheit als auch die Wahrnehmung der medizinischen Versorgung betreffen.
Gesundheit: Gut, aber immer seltener sehr gut
Die allgemeine Gesundheit wird von den Österreicher:innen nach wie vor überwiegend als gut beschrieben. Auffällig ist jedoch, dass sich die Einschätzungen zunehmend im mittleren Bereich einordnen und seltener sehr positiv ausfallen als noch 2021. Dieser Befund ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu beobachten, wobei zwischen den Geschlechtern keine allzu wesentlichen Unterschiede erkennbar sind.
Deutlich schlechter fällt die Wahrnehmung bei Personen mit chronischen Erkrankungen aus. Wenig überraschend bewerten chronisch kranke Menschen ihren Gesundheitszustand häufiger als mittelmäßig bis schlecht. Gleichzeitig äußert sich ein sozialer Gradient: Mit steigendem Haushaltsnettoeinkommen nimmt auch das positive gesundheitliche Empfinden zu. Personen mit höherem Einkommen berichten somit häufiger von einem besseren Gesundheitszustand, während niedrigere Einkommensgruppen stärker belastet erscheinen.
Auch das Alter stellt wenig überraschend einen Knackpunkt dar. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die subjektive Gesundheitseinschätzung, während jüngere Bevölkerungsgruppen ihren Gesundheitszustand tendenziell positiver bewerten. Dennoch ist hier anzumerken, dass sich auch unter jüngeren Personen die Einschätzung drastisch verschlechtert hat. Mittlerweile berichten nur mehr 27% der 16-29-Jährigen, dass es ihnen sehr gut geht. Im Vergleich dazu waren es 2021 in einer ähnlichen Altersgruppe von 15-29-Jährigen noch 63%, die einen sehr guten allgemeinen Gesundheitszustand angaben.
Chronische Erkrankungen nehmen zu
Der Vergleich zu 2021 offenbart eine gestiegene Zahl der chronisch Erkrankten, die mit gesundheitlichen Problemen von mindestens 6 Monaten zu kämpfen haben. Diese Entwicklung verweist auf eine zunehmende gesundheitliche Belastung innerhalb der österreichischen Bevölkerung. Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen sich dabei kaum. Auch hier spielt das Einkommen erneut eine wichtige Rolle: Personen mit höherem Haushaltsnettoeinkommen sind seltener von chronischen Erkrankungen betroffen.
Dadurch wird verdeutlicht, dass chronische Erkrankungen nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt sind. Vielmehr ergeben sich soziale Unterschiede, die eng mit materiellen Ressourcen, Lebensbedingungen und gesundheitlichen Handlungsspielräumen verbunden sind.
Medizinische Versorgung wird kritischer beurteilt
Besonders stark verändert hat sich die Bewertung der medizinischen Versorgung in Österreich. Die Beurteilung als „hervorragend“ ist von 28% auf nur 7% signifikant zurückgegangen. Im Gegenzug haben die Einschätzungen von „gut“ über „ausreichend“ bis hin zu „schlecht“ signifikant zugenommen. Insgesamt siedelt sich daher die Bewertung der Versorgung damit mehr im mittleren Bereich an.
Erwähnenswert ist, dass diese kritischere Wahrnehmung weitgehend unabhängig von soziodemografischen Merkmalen auftritt. Alter, Geschlecht, Einkommen, oder auch chronische Erkrankungen zeigen keine ausgeprägten Unterschiede in der Einschätzung der medizinischen Versorgung. Die Verschlechterung scheint damit kein punktuelles Phänomen einzelner Gruppen zu sein, sondern eine insgesamt breitere Auffassung unter den Österreicher:innen.
Wunsch nach Veränderung im Gesundheitssystem
Parallel zur kritischeren Bewertung der medizinischen Versorgung macht sich eine deutliche Verschiebung in der Wahrnehmung des Gesundheitssystems bemerkbar. Nur noch ein Viertel der Bevölkerung sieht das System als grundsätzlich gut funktionierend. Im Jahr 2021 war es noch mehr als die Hälfte der Österreicher:innen.
Stattdessen gewinnt die Einschätzung, dass das Gesundheitssystem zwar teilweise funktioniert, jedoch wesentliche oder sogar grundlegende Veränderungen benötigt. Dieser Befund hebt hervor, dass das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit bzw. Funktionalität des Systems spürbar abgenommen hat. Die Bevölkerung nimmt das Gesundheitssystem nicht mehr überwiegend als stabil und ausreichend wahr, sondern zunehmend als reformbedürftig.
Zufriedenheit mit gesundheitlichen Dienstleistungen bleibt hoch, nimmt aber ab
Trotz dieser kritischeren Gesamteinschätzung der Versorgung und des Systems bleibt die Zufriedenheit mit den Gesundheitseinrichtungen und Ärzt:innen grundsätzlich im mittleren bis sogar hohen Bereich. Gleichzeitig ist aber auch hier ein markanter Rückgang unter den „sehr Zufriedenen“ erkennbar. Die Bevölkerung ist demnach also nicht generell unzufrieden, bewertet aber weniger positiv als noch 2021.
Hausärzt:innen bleiben mit 90% die am häufigsten genutzte Anlaufstelle im Gesundheitssystem. Sie werden innerhalb eines Jahres am häufigsten aufgesucht und nehmen damit weiterhin eine zentrale Rolle in der gesundheitlichen Versorgung ein. Dahinter folgen mit 80% die Fachärzt:innen, die ebenfalls eine wichtige, aber etwas nachgelagerte Position in der Nutzung medizinischer Leistungen einnehmen. Stationäre Aufenthalte oder die Gesundheitshotline 1450 bilden das Schlusslicht.
Steigender Bedarf an Untersuchungen und Behandlungen
Die Österreicher:innen weisen im Vergleich zu 2021 einen generell erhöhten Bedarf an gesundheitlichen Untersuchungen und Behandlungen auf. Spezifisch sichtbar wird dieser Anstieg bei Cholesterinuntersuchungen sowie bei Vorsorgeuntersuchungen zur Krebsfrüherkennung. In diesem Bereich ist besonders bei den Frauen ein markanter Anstieg zu verzeichnen.
Positiv hervorzuheben ist, dass Untersuchungen und Behandlungen nach wie vor überwiegend termingerecht und wie geplant durchgeführt werden. Es verdeutlichen sich somit keine Hinweise, dass notwendige Untersuchungen und Behandlungen systematisch verzögert oder verschoben werden. Die Anzahl an verzögerten oder verschobenen Untersuchungen und Behandlungen steht bei unter einem Viertel in den letzten 12 Monaten, während 58% wie geplant durchgeführt wurden. Die restlichen fast 20% sehen gar keinen Bedarf an Untersuchungen oder Behandlungen.
Fazit: Eine Bevölkerung zwischen Stabilität und wachsender Skepsis
Die gesundheitliche Lage in Österreich ist von Ambivalenz geprägt. Einerseits schätzt ein großer Teil der Bevölkerung die eigene Gesundheit weiterhin als gut ein, und auch die Zufriedenheit mit Ärzt:innen und Gesundheitseinrichtungen bleibt grundsätzlich hoch. Andererseits erweisen sich klare Verschlechterungen: im generell allgemeinen Gesundheitsempfinden, chronische Erkrankungen nehmen zu, medizinische Versorgung wird kritischer bewertet und der Wunsch nach Veränderungen im Gesundheitssystem ist sichtlich gewachsen.
Insgesamt entsteht dadurch das Bild einer Bevölkerung, deren Gesundheit nicht dramatisch schlecht, aber spürbar belasteter ist als noch vor wenigen Jahren. Das österreichische Gesundheitssystem wird weiterhin gut genutzt und grundsätzlich anerkannt, zugleich aber zunehmend als reformbedürftig wahrgenommen. Genau dieser Zwiespalt verdeutlicht, dass das österreichische Gesundheitssystem vor zunehmend komplexen gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Herausforderungen steht.
Gesundheit und medizinische Versorgung werden von den Österreicher:innen zunehmend sensibel wahrgenommen. Gerade die Verbindung aus weiterhin bestehender Zufriedenheit und gleichzeitig wachsender Kritik zeigt, wie stark gesellschaftliche Erwartungen an Stabilität, Versorgung und Lebensqualität gestiegen sind.
PDF Download
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44-5894_PR_Gesundheit.pdf 439 KB
Erhebungscharakteristik
Stichprobe: n=1.000 Personen, repräsentativ für die österr. Bevölkerung ab 16 Jahren
Methodik: Quotastichprobe, online (CAWI) Befragung - AOP
Umfrage: 44-5894
Feldzeit: Die Feldarbeit fand im März 2026 statt.
Die maximale Fehlerspanne bei 1.000 Befragten beträgt +/- 3,1% (bei einem Konfidenzniveau von 95%).
Erhebungscharakteristik
Stichprobe: n=1.000 Personen, repräsentativ für die österr. Bevölkerung ab 16 Jahren
Methodik: Quotastichprobe, online (CAWI) Befragung - AOP
Umfrage: 44-5894
Feldzeit: Die Feldarbeit fand im März 2026 statt.
Die maximale Fehlerspanne bei 1.000 Befragten beträgt +/- 3,1% (bei einem Konfidenzniveau von 95%).
